Der neue Bond

Gestorbenes Kino

Beim neuen James Bond schaut man lieber nicht ganz so genau hin.

Der neue James-Bond-Film »Spectre« ist Zombie-Genre: Gebäude stehen ausgebombt aus dem vorletzten Daniel-Craig-007 an der Themse herum, die Geheimdienstchefs wirken, stoppelbärtig wie sie sind, untot, und ansonsten so, als hätten sie vergessen, sich nach dem Klobesuch den Reißverschluss zuzuziehen.
Zombie-Genre ist auch der Plot. Bei der Story geht’s um totale Überwachung wie anno 1984 – 50 Typen sitzen vor Bildschirmen. War da die Wirklichkeit nicht schon weiter, hält die sich nicht ganz von selbst in Schach? Na gut. Der neue Chef will die Geschäftssparte mit den Lizenz-zum-Töten-Agenten abschaffen – mit Betonung auf Doppelnull. Sie sind eine überkommene Garde von Attentätern. »Die Drohnen arbeiten besser als ihr«, weiß der Yuppie, der mit dem Innenminister zur Schule gegangen ist.
Das hätte durchaus Potential, selbst der Killer muss aufs Sozialamt … Doch es gibt nichts Kluges in diesem Film. Der Bond-Darsteller Craig ist eine Fehlbesetzung, er hat keine Lust auf das hier; bei den Kusszenen mit Monica Belucci und Léa Seydoux, den Bond-Girls, schaut man lieber nicht so genau hin, die Witze sind von gestern. Man tut das hier nur, weil es im Drehbuch steht.
Über zwei Stunden hauen sich zwei Frührentner auf die Fresse. Der eine passt nicht in die Rolle, der andere ist Christoph Waltz. Vielleicht das Schlimmste, der hat noch jeden Film zu einer deutschen Vorabendserienepisode heruntergebrochen. Dies hier ist gestorbene Kunst, wenn überhaupt. Mag sich das englische Königshaus genauso fühlen, kann ja sein. Es rannte jedenfalls mit Begeisterung in die Londoner Premiere.
Gebrauchte Bilder, schaurige Darsteller, wie für einen Tele-5-Film morgens um drei: Die Frage ist, warum der Quatsch so dermaßen durch die Decke geht. Die Bond-Filme mit Craig sind enorm erfolgreich. Das wirft Fragen auf: Wenn es ein Publikum gibt, das solche Filme liebt – muss man sich da über irgendetwas wundern in der Welt?
Ein einziger programmatischer Satz fällt in diesem ominösen Werk. Als Bond einem untergetauchten Spion außer Dienst gegenübersitzt: »Zwei Tote machen sich einen schönen Abend.« Das ist inhärente Filmkritik: Genauso fühlt man sich, wenn man »Spectre« schaut.
»James Bond – Spectre«. Regie: Sam Mendes, Darsteller: Daniel Craig, Léa Seydoux. Start: 6. November