Rechtsextremismus und Esoterik

Räuchern für den Rassenerhalt

Die Inhaftierung des »Druiden« Burghard Bangert offenbart die Verbindung zwischen esoterischen Kreisen und Rechtsterrorismus.

Der keltische Druide Burgos von Buchonia hat zwei große Sehnsüchte: die Natur und den Krieg. Er liebt es, in den Mischwäldern des Rhöngebirges Beeren zu sammeln, bei Räucher­ritualen seine Gedanken zu reinigen und nachts am Lagerfeuer Met aus ­einem Trinkhorn zu schlürfen. Ebenso leidenschaftlich begehrt er die Rückkehr des Deutschen Reichs – und dafür müssen Juden und Muslime ausgelöscht werden. Burgos von Buchonia heißt in Wirklichkeit Burghard Bangert und lebte zuletzt im baden-württembergischen Schwetzingen, nahe Heidelberg. Seit dem 25. Januar sitzt der 66jährige in Untersuchungshaft, weil die Bundesanwaltschaft ihn verdächtigt, eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet und Anschläge auf Juden, Flüchtlinge und Polizisten geplant zu haben. Außer ihm wurden vier weitere Männer und eine Frau verhaftet und bundesweit zwölf Wohnungen durchsucht. Waffen, Sprengstoff und Muni­tion stellte die Polizei dabei sicher.
Das Bangert-Netzwerk dürfte weitaus größer sein. Nach Recherchen des ARD-Magazins Panorama soll die terroristische Zelle zwischen zwölf und 18 Personen umfassen, einige von ihnen seien bisher noch nicht identifiziert. Unter den schon Festgenommen ist der Braunschweiger Neonazi Markus Jäkel bereits bekannt. Bei einer Demonstration von »Braunschweig gegen die Islamisierung des Abendlandes« (Bragida) am 28. März 2015 trat er als Redner auf und kündigte in einem Facebook-Posting vom selben Tag an: »Bin mal gespannt, was auf der BRAGIDA am MO los ist, in Kralenriede – und vlt noch einen klitzekleinen Spaziergang in die Bastholzsiedlung, so als Gag am Rande zwinker zwinker«. In der Bastholzsiedlung in Braunschweig befindet sich die Landesaufnahmebehörde für Flüchtlinge.
Bangert, der mutmaßliche Anführer der enttarnten Terrorgruppe, trat in der Vergangenheit vor allem als schrullige Mittelaltermarktsfigur auf, der Wanderer durch die Rhön führte und vermeintlich keltische Zeremonien vorführte. Lokalzeitungen und regionale Fernsehsender berichteten mehrmals über den weißhaarigen Druidendarsteller. Doch neben seinen esoterischen Umtrieben betätigte sich Bangert auch in diversen rechtsextremen Gruppen. Er war Mitglied der Partei »Die Freiheit« und in obskuren Vereinigungen, die Namen tragen wie »Die Weißen« oder »Deutsche Nationalversammlung«. Diese wiederum bewegen sich im Dunstkreis der »Reichsbürger« und streiten die Existenz der Bundesrepublik Deutschland ab. Auch zur NPD hielt Bangert Kontakt und trat unter anderem 2014 beim »Bayern­tag« der Partei im Kulturprogramm auf. Der saarländische Staatsschutz ermittelte 2015 wegen Volksverhetzung und dem Aufruf zu Straften gegen ihn. Bangert forderte anlässlich eines Brandanschlags auf ein geplantes Flüchtlingsheim im sächsischen Tröglitz auf Facebook, »man soll alle Heime anstecken«. 2016 hielt er eine Rede bei Protesten gegen die Bilderberg-Konferenz.
Weiteren Aufschluss über Bangerts Ideologie und Verbindungen gibt vor allem sein öffentlich sichtbares Profil auf V-Kontakte (VK), einem sozialen Netzwerk aus Russland. Da VK im Gegensatz zu Facebook nur selten volksverhetzende und rassistische Inhalte löscht, ist es eine beliebte Kommunikationsplattform für deutsche Rechts­extreme. Bangert etwa schreibt in seinem Profiltext: »Mein Selbsterhaltungstrieb sagt mir, dass ich die Juden und Moslems vernichten muss, bevor diese meine Sippe oder meine Familie vernichten.« In mehreren Postings verherrlicht er Adolf Hitler und verbreitet antisemitische Verschwörungs­theorien. In seiner Freundesliste finden neben den auf VK üblichen Fakeprofilen auch zahlreiche russische und deutsche User, die ebenfalls fremdenfeindliche Inhalte teilen.
Im letzten Posting vor seiner Verhaftung rief Bangert für den 4. Februar zur »Feier des wiederkehrenden Lichts« in der Nähe von Frankfurt/Oder auf. Das Fest sei der keltischen Göttin Brigidh gewidmet. Es gebe »weiße Speisen« und »weiße Getränke«, so die Ankündigung.

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