Das Medium

Das Ende der Weltherrschaft

Manchmal ist es auch nett auf den Verschwörungswebseiten. Dann zum Beispiel, wenn man detailliert erklärt bekommt, was für ein großartiges Leben man als Journalistin doch hat. Mit den Mächtigen im Bunde und ständig bestochen und hofiert bestimmen wir von der Presse nämlich den Lauf der Welt mit und sind mindestens so etwas wie Vizechefs des gesamten Erdballs. Ein bisschen anstrengend klingt das schon alles, denn in diesen ausgiebigen Schilderungen des ganz gewöhnlichen Journalistenlebens ist man pausenlos unterwegs und muss ständig mit Ministern und Staatschefs konferieren, na gut, eher deren Order entgegennehmen (in dem Punkt sind sich die Verschwörungstheoretiker jedoch nicht ganz einig, denn manche finden auch, dass wir die Befehle geben). Bleibt nur ein Problem: Wenn die Presse derart mächtig und im Prinzip Weltbestimmer ist, warum, waaaaaarum darf mir dann das Finanzamt mit seiner Elster-Software (Akronym: Elektronische Steuererklärung) auf die Nerven gehen? Okay, dass ich mein Passwort vergessen hatte, ist ganz allein meine Schuld, klar. Aber warum scheitert die Neuregistrierung, die aus nachvollziehbaren ­Sicherheitsgründen in solchen Fällen vorgeschrieben ist, daran, dass mein Browser zu up to date ist? Was macht man dann, Netscape installieren (nein, das geht nicht wirklich, davon erzähle ich dann beim nächsten Mal)? Oder in den Keller laufen, wo irgendwo noch ein alter Dingsrechner – ach, verdammt, der war ja letztens entsorgt worden.
Unter Hinzuziehung eines studierten Informatikers hat es dann doch geklappt, aber ständig für alle Fälle jemanden aus dieser anderen Spezies zu Hause herumsitzen zu haben, der einem den Kühlschrank leer isst, kann doch nicht im Sinne der Weltherrschaft sein.

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