Platte Buch

Immer wieder renitent

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»Stütze an der Gitarre und Hoeter am Bass machen richtig gut Alarm, so dass man Ramón Nudels zu gutes Getrommel sogar fast nicht bemerkt.« Das sagt Tobert Knopp über die Musiker der Hamburger Band Krank. Knopp, sonst bei Turbostaat für Bass und Komposition zuständig, ist zu Gast auf Kranks neuem Album »Die Verdammten«, das auf This Charming Man Records erschienen ist. Krank, die 2015 mit dem Longplayer »Ins Verderben« ein formvollendet-schrammeliges Rotzdebüt in guter, alter Lo-Fi-Qualität veröffentlicht haben, werden ständig mit Jens Rachut, Messer und Turbostaat verglichen. Neuer Premium-Deutschpunk sozusagen, aber Krank brauchen weder Vergleiche noch eine Kategorisierung ihrer Musik. Wenn doch, dann könnte man gerne noch Rolf Dieter Brinkmann nennen: Mit einem ähnlichen Wortvandalismus schimpft sich Sänger Jan mehr gesprochen als gesungen die Emotionen aus dem Leib, dass seine Spucke im Gesicht deutlich zu spüren ist. Krank beobachten die Kulturindus­trie und die Gesellschaft und bewerten sie, ohne wertend zu sein. Es wird ungemütlich.

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Die zwölf Stücke, die die Musiker als Akte der Renitenz verstanden wissen willen wollen, sind kompromisslos komponiert. Die Ausbrüche an den Instrumenten und am Mikro währen kurz und sind schön heftig. Fast kein Song braucht mehr als zwei Minuten, um sich dröhnend angekränkelt und defätistisch über den »Fortschritt der Vernunft« (Songtitel) auszulassen. Eine ganze Minute leiten die Instrumente immer markerschütternder, immer desolater ein – hallo, Moll-Tonleiter –, bis sich Sänger Jan dazuschaltet: »Irrsinns­visionen längst vergangener Ära durch Angst und Planeten ins Nichts gepresst/der Golem belebt im Drama des Kosmos Saturns Ringe um verlogene Seelen, bis das Zerrbild im Spiegel die Wahrheit zerbricht«.
Alles schön, aber kaputt. Keine Minute braucht »Kassen­gestell«, um wild durcheinander zu ballern und seine Weisheit mitzugeben: »Wer billig kauft, kauft zweimal.«


Krank: Die Verdammten. This Charming Man Records