María de Jesús Patricio Martínez ist die erste indigene Präsidentschaftskandidatin ­Mexikos

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Es ist beschlossen. Der Nationale Indigene Kongress (CNI) in Mexiko, zu dem auch die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) gehört, hat am letzten Maiwochenende seine Kandidatin für die mexikanischen Präsidentschaftswahlen 2018 präsentiert: Es ist die 53jährige María de Jesús Patricio Martínez von der indigenen Gruppe der Nahua, die sich im Süden des Bundesstaates Jalisco in der Gemeinde Tuxpan tradi­tioneller Medizin widmet und sich für die Wahrung der Menschen- und Frauenrechte einsetzt. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

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Überraschend ist ihre Nominierung nicht, schließlich galt sie seit längerem als eine der möglichen Kandidatinnen, wie es in CNI-nahen Kreisen hieß; insbeson­dere nachdem sie im April auf einem EZLN-Seminar als eine der Rednerinnen aufgetreten war. Sie ist eine Veteranin innerhalb des CNI und hatte auf manche, die heute eine wichtige Rolle innerhalb der Organisation ausüben, großen Einfluss. Als sich die Zapatistas 1994 bewaffnet erhoben, vertrat sie noch vor der offiziellen Gründung des CNI im Jahr 1996 ihre Gemeinde bei einem landesweiten indigenen Forum, zu dem die zapatistische Bewegung geladen hatte.

Die Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen ist umstritten, manche sehen darin einen Verrat an den Prinzipien der zapatistischen Bewegung. Die 53jährige soll nicht als gewöhnliche Präsidentschaftskandidatin ­auftreten, sondern ist vielmehr Sprachrohr der Kollektivinstanz des Indigenen Regierungsrates. Dieser umfasst zurzeit 71 Mitglieder und untersteht seinerseits den jeweiligen Gemeinden und Regionen. Vor einigen Jahren sagte Patricio Martínez in einem Interview mit der Zeitschrift Tukari: »Ich wünsche mir eine von unten nach oben aufgebaute Organisation, in der gehorchend bestimmt wird und in der die gemeinsamen Vereinbarungen respektiert werden.« In den wenigen Worten, die sie sehr zurückhaltend am Wochenende ihrer Nominierung ­äußerte, sagte sie über die Motive der Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen: »Bei unserer Teilnahme geht es vielmehr um das Leben. Wir müssen einen Weg ­suchen, um weiter existieren zu können.« Die Wahlen seien dafür lediglich ein Vorwand.

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