Die Punk-Rap-Band Ho99o9 kommt nach Deutschland

American Horror Story

Die Konzerte der US-amerikanischen Punk-Rap-Provokateure von Ho99o9 liefern reichlich Gesprächsstoff. Auf ihrer Tour machen sie auch in Deutschland Halt.

Die Protestgesten der Popwelt laufen häufig ins Leere. All die Auflehnung, der durchaus ernstgemeinte Einspruch so vieler Musikerinnen und Musiker – und doch wurde Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Was bleibt, sind weiterer ­Protest und nicht selten auch ein Ekel vor der Welt, wie sie ist. Mit ihm arbeiten auch die Punk-Rap-Provokateure von Ho99o9.

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Man sprach schon eine Weile über diese beiden irgendwie lebensmüde wirkenden Typen aus New Jersey, deren eigentümlich geschriebener Bandname schlicht »Horror« ausgesprochen wird. Der Drummer von Black Flag spiele live mit, hieß es. Und überhaupt: diese Konzerte. Sie liefen bisweilen aus dem Ruder, theOGM und Eaddy wüteten auf der Bühne und schrien etwas über Anarchie und Chaos. Vor kämpferischen Gesten schreckten sie nicht zurück. An Diskussionen und Kompromissen, so schienen die Konzerte der beiden deutlich zu machen, bestand ein eher geringes Interesse.

Bringen Ho99o9 die Rücksichtslosigkeit zurück in den Punk, lassen HipHop wieder gefährlich wirken und verhelfen Death Metal zu etwas Hipness? Vielleicht. Ho99o9 könnten gut als die rüpelhaften kleinen Brüder von Death Grips durchgehen. Über deren brachiale Mischung aus Punk und HipHop sprach man nicht nur in Szenekreisen, auch die bürgerlichen Medien waren erstaunt über so viel künstlerische Autonomie. Death Grips ­erschienen nicht zu ihren eigenen Konzerten, brachen Verträge mit Major-Labels, veröffentlichten ein heißgehandeltes Album, auf dessen Cover lediglich ein erigierter Penis zu sehen ist – kalkulierte Provokation und Selbstvermarktung? Man konnte das so sehen, musste aber auch von kommerzieller Selbstdemontage sprechen. 2014 gaben Death Grips ihre Auflösung bekannt, Musik veröffentlichen sie weiterhin nach Lust und Laune. Deren Wiedergänger sind Ho99o9 also. Nur rockistischer, inhaltlich plakativer und ziemlich sicher ohne ­abgeschlossenes Kunsthochschulstudium.

Ihre Instrumente können sie trotzdem schrill zum Kreischen bringen. Es dominieren Noise-Elemente, alles ist verzerrt und auf die eine oder ­andere Art unverträglich. Lauscht man den Texten und sieht sich diese Band auf der Bühne an, so scheint es, als wollten Ho99o9 nicht nur Rassismus, Homophobie, Polizeigewalt und den Kapitalismus zum Verschwinden bringen, sondern am besten auch noch sich selbst. Auf Langlebigkeit abgesehen hat es nicht, wer seinen halbnackten Körper ohne Rücksicht auf Verluste von einer Bühnenseite auf die andere wirft.
Selbstexorzismus? Katharsis? Und wieso handeln viele ihrer Texte von Abscheulichkeiten? Da liegt was im Argen, in den »United States of Horror«, wie sie ihr Debütalbum betitelt haben. Zwischen der Slowakei und Frankreich macht die Band am 10. Juli in Berlin Halt.

Ho99o9 spielen am 10. Juli im Prince Charles in Berlin.