Miese Jobs für alle

Klassenkampf Von

KKScheint die Sonne eigentlich auch für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)? Es steht zu befürchten, zumindest stellt die oft als »arbeitgeberfreundlich« bezeichnete INSM ihren jährlichen »Bildungsmonitor« gerne im Sommer vor, mit Ergebnissen, die so absehbar wie egal sind und bewirken, dass ich jetzt schon lieber an den See fahren will als weiter darüber schreiben. Aber in Berlin sind immer noch Sommerferien und in der Schule ist deswegen nichts passiert, worüber ich schreiben könnte, also muss ich mich mit Hubertus Pellengahr beschäftigen, dem Geschäftsführer der INSM, der wie jedes Jahr sehr besorgt ist und mahnt, weil es Bildungsarmut gebe in Deutschland und infolgedessen viele Menschen nur schlecht­bezahlte Stellen fänden sowie eher von Armut und Arbeitslosigkeit bedroht seien als Menschen, die bildungsreich sind oder sowas, weswegen Pellengahr, so sagt er, um die Chancengleichheit im Land fürchtet. Ich finde auch, dass es viel fairer wäre, wenn wir alle die gleiche Chance hätten, am Ende unserer Schulkarriere einen der von Leuten wie Pellengahr eingerichteten mies bezahlten Jobs verrichten zu müssen. Nicht besser, aber fairer schon.

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Pellengahr ist nicht nur fair, sondern auch ehrlich, manchmal jedenfalls, und stellt gleich klar, dass es ihm nicht darum geht, ob vom Bildungssystem aussortierte ungelernte Hilfsarbeiterinnen in der Lage sind, in ihrer Pause etwas anderes als die Bild-Zeitung zu lesen, sondern um den fehlenden qualifizierten Nachwuchs, den man als Arbeitgeber halt braucht, um ein Geschäft machen zu können. Hier wittert er, dass das »Potential« der bildungsfernen, der sozial schwachen und der migrantischen Haushalte noch um einiges besser »abgeschöpft« werden könnte, als es derzeit der Fall ist, weswegen eben mehr Chancengleichheit her müsse.

Und will ich jetzt noch darüber schreiben, dass Bayern zum wiederholten Male die Empfehlung erhalten hat, endlich seine Ganztagsbetreuung auszubauen, weil das aus Gründen politisch angesagt und von der Wirtschaft gewollt ist, und lustigerweise nur ein paar schlimm reaktionären CSUlern der Gedanke kommt, dass Bayern, das in der bildungspolitischen Rangliste seit Jahren auf Platz drei hinter Sachsen und Thüringen steht, seine Platzierung möglicherweise deswegen hält, weil der Ganztag unter den gegebenen finanziellen und gesellschaftlichen Bedingungen am Ende für viele bayerische Kinder gar kein Vor-, sondern ein Nachteil wäre im Rattenrennen um den am wenigsten miesen Job? Nö. Ich will an den See.