Porträt - Der neue Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn kann einstecken

Ungebrochen

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Auf den Siegestaumel folgte der Knock-out: Völlig unvermittelt erhielt Martin Horn am Sonntagabend einen Schlag ins Gesicht. Horn nahm das aber nicht allzu schwer: »Ich habe eine gebrochene Nase, zwei kleine Stiche, einen gebrochenen Zahn – alles sozu­sagen pillepalle«, sagte der designierte Freiburger Oberbürgermeister in einem Handyvideo, das er einige Stunden nach dem Vorfall auf Facebook postete. Politisch motiviert war die Tat vermutlich nicht. Angegriffen hatten den politischen Quereinsteiger Horn weder freidrehende »besorgte Bürger« noch vom Wahlausgang enttäuschte Ökos – der parteilose Sozialwissenschaftler triumphierte deutlich über den langjährigen grünen Oberbürgermeister Dieter Salomon. Nach aktuellem Kenntnisstand handelte es sich bei dem Angreifer um einen 54jährigen aus dem nahegelegenen Markgräflerland, der der Polizei bereits seit einiger Zeit als »psychisch auffällig« bekannt war. Der Staatsschutz ermittelt dennoch in der Sache.

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Das »politische Erdbeben«, von dem nach Horns Wahlsieg in manchen Kommentaren die Rede war, könnte sich bald als eher harmlose Erschütterung entpuppen. Der 33jährige trat im Wahlkampf mit einem Programm an, das im zuletzt von einer schwarz-grünen Koalition regierten Freiburg kaum jemanden irritiert haben dürfte. Neben der obligatorischen Forderung, die studentisch geprägte Stadt noch fahrradfreundlicher zu machen, als sie es ohnehin schon ist, warb das parteilose Greenpeace-Mitglied für mehr Grün in der Innenstadt und die Förderung sozial und ökologisch korrekt wirtschaftender Start-ups. Für die Abwahl seines Vorgängers Salomon, der die Stadt 16 Jahre lang regiert hatte, sorgte nach Ansicht sachkundiger Landeskorrespondenten vor allem dessen Führungsstil: »Spröde« und »besserwisserisch« sei Salomon zuletzt aufgetreten; die »Nähe zu den Bürgern« sei ihm »abhanden gekommen«. Ein politisches Novum stellt allerdings Horns Forderung dar, den sozialen Wohnungsbau in der Stadt zu fördern. Auch im relativ wohlhabenden Freiburg haben wegen der Mietpreissteigerungen inzwischen nicht mehr nur Geringverdiener, sondern auch Familien mit mittleren Einkommen wie überall im Land immer öfter Probleme, eine bezahlbare ­Wohnung zu finden.