ჯუნგლები - Kritische Astrologie - Georgien und seine Macht über unser Leben

Feine Sahne Steinmeier

Kolumne Von

Seit Anbeginn der Zeit, so künden es die Seiten der »Tagesschau« im Netz, haben alle Georgierinnen und Georgier einen einzigen sehnlichen Wunsch: Mitglied der Nato zu werden. Davon ist man im Jahr 2018 ­ungefähr ebenso weit entfernt wie 2008. Derzeit gibt es auf dem internationalen Parkett niemanden, der diesen Wunsch Georgiens unterstützt – was auch damit zu tun habe, so jedenfalls die »Tagesschau«, dass der Russe den Georgiern praktisch direkt auf der Türschwelle sitzt. Um im Fall eines Nato-Beitritts sofort einzumarschieren und klar Schiff zu machen. Das ist schade, denn der einzige Zweck einer Nato-Mitgliedschaft wäre es ja, exakt einen solchen Einmarsch zu verhindern. So wird der Nato-Beitritt umso unwahrscheinlicher, je nötiger er wird; ein Prinzip, das typisch zu sein scheint für die Nato insgesamt, oder sogar sinnbildlich für das Leben in der Postdemokratie allgemein und generell.

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Wenn beispielsweise der Bundespräsident den Auftritt linker Bands in Chemnitz unterstützt, ist das natürlich ein wichtiges Signal und eine starke Botschaft – allerdings werden Bands demokratietheoretisch immer weniger links, je stärker sie ein Bundespräsident unterstützt; es liegt einfach in der Natur der Sache. Auch hier wird das Signal schwächer, je stärker es seiner bedarf; auch hier strahlt hell und unbarmherzig das Sternbild Georgien über der Gesamtsituation! Zugleich ist es natürlich auch sinnlos, sich von Georgien abzuwenden, auch ideell. Deswegen: Selbstverständlich muss eine Aufnahmeperspektive Frank-Walter Steinmeiers für Bands wie K.I.Z. erhalten bleiben! Wenn wir Steinmeier jetzt aufgeben, fällt er vielleicht vom Glauben ab – und den Rechten in die Hände. Wenn wir den Dialog mit Steinmeier vorschnell abbrechen, sucht er sich eine neue politische Heimat. Und am Ende reibt der Russe sich mal wieder die Hände.