სივრცე - Porträt - Bidsina Iwanischwilis Aufstieg vom armen Jungen vom Lande zum Milliardär

Georgische Träume

Porträt Von

So muss der  Georgische Traum wohl aussehen: Wer kein Haus besitzt, bekommt eine Wohnung geschenkt. Wer krank ist, wird kostenlos behandelt. Und wer keinen Arbeitsplatz hat, erhält Arbeitslosengeld – und zwar nicht vom Staat, sondern von Bidsina Iwanischwili, dem Patron von Tschorwila.

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Iwanischwili wuchs in dem Dorf in einer armen Familie auf und musste, so erzählt es die Legende, barfuß zur Schule laufen. Später konnte er in Tiflis Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften studieren. Sein erstes Geld machte er in den Achtzigern in Moskau, wo er Computer und Telefone importierte. Richtig in Schwung kam der zurückhaltende Selfmade-Mann mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Er gründete die Bank Rossijskij Kredit und kaufte Eisenminen aus russischem Staatsbesitz. Mit steigenden Rohstoffpreisen entwickelte sich daraus ein äußerst lukratives Geschäftsmodell. Sein privates Vermögen wird derzeit auf über sechs Milliarden US-Dollar geschätzt, was fast der Hälfte des gesamten georgischen Bruttosozialprodukts entspricht. Nach der Rosenrevolution 2003 kehrte er von Moskau nach Georgien zurück, um dort die Reformen des neuen Präsidenten Micheil Saakaschwili zu unterstützen. Er kaufte für die Polizei neue Autos und neue Uniformen, baute für die georgische Armee Kasernen, renovierte Theater und zahlte hohen Beamten ihre Gehälter, angeblich, um so der Korruption vorzubeugen. Bald war nicht mehr klar, wer nun im Staat das Sagen hatte. Der Milliardär trat 2012 mit seinem eigenen Bündnis »Georgischer Traum« bei den Wahlen an, die er auch prompt gewann. Iwanischwili musste zwar nach nur einem Jahr als Premierminister wegen einer Steueraffäre zurücktreten.

Sein Bündnis, das eine krude Mischung aus prowestlich liberalen bis zu radikal nationalistischen Positionen vereint, stellt aber weiterhin die Mehrheit im Parlament. Und noch immer träumen arme Georgier davon, dass mit Iwanischwili irgendwann das ganze Land wie das Dorf Tschorwila aussehen könnte – wenn er als Patron über seine große georgische Familie wacht.