Platte Buch - »Learning to Cope with ­Cowardice« von Mark Stewart

Linksradikalismus zum Anhören

Kolumne Von

Eine Band im Jahr 1977 in Bristol zu gründen und sie The Pop Group zu nennen, wirkt etwas merkwürdig, The Punk Group hätte von der Zeit her wohl besser gepasst. Noch merkwürdiger klingt der Name, wenn man die Musik der Band hört: Eine Mischung aus Free Jazz, Psychedelic und Funk. The Punk Group wäre am Ende wohl doch nicht der bessere Name gewesen, denn das, was The Pop Group spielte, war nicht mehr Punk, sondern schon Post Punk.

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Geht man vom Inhalt her, hätte sich die Band auch getrost Agit-Pop nennen können. Songs wie »We Are All Prostitutes« machten dem Hörer seine ökonomische Abhängigkeit klar, »Rob a Bank« empfahl einem, wie man sich aus dieser Misere befreit. In gewissem Sinne war The Pop Group das avantgardistische Äquivalent zu den Crust-Punkern von Crass. 1981 löste sich die Band auf.

Ihr Sänger Mark Stewart machte mit einer neuen Band weiter, die er »The Maffia« nannte. Seine linksradikalen Ideen, die unangenehm dystopisch, teilweise ziemlich paranoid anmuten, sind das Fundament für seine äußerst visionäre Musik, in der Industrial, der gerade erst entstehende HipHop sowie der noch in den Kinderschuhen steckende Techno mit dem in England zu der Zeit omnipräsenten Dub verschmolz. Das Ergebnis, das 1983 erstmals erschienene »Learning to Cope with Cowardice«, klingt folgerichtig wie eine bei 45 RPM statt 33 RPM abgespielte Platte von PIL, wie eine Mischung aus Alan Vega und den frühen Einstürzenden Neubauten. Wütender und avantgardistischer Krach, der entsteht, weil Stewart hier alles Neue auf einmal ausprobieren will.

Die Geräusche eines zurückspulenden Tapes werden hier zum Instrument, jeder Song löst sich ab einem bestimmten Punkt in ein Gewitter aus Synthesizern auf, während im Hintergrund die Drum Machine unaufhörlich weiterläuft. Das Label Mute hat Stewarts erstes Soloalbum jetzt wieder aufgelegt.

 

Mark Stewart: Learning to Cope with ­Cowardice (Mute)