Das Medium - Die Sache mit der Telefonanlage

Ich verbinde (nicht)

Kolumne Von

Liebes Tagebuch, ich muss dringend im Lotto gewinnen. Nicht wegen dieses superschicken Kleides, das ich letztens da bei Dingens gesehen habe, nein, beziehungsweise nicht nur, sondern hauptsächlich wegen der Sache mit der Telefonanlage. Es ist eine schöne Telefonanlage, die zuverlässig das tut, was Telefonanlagen eben so tun, aaaaaber: Niemand in der Redaktion ist in der Lage, auf das unzweifelhaft an jedem Apparat existierende Zauberknöpfchen zu drücken und Gespräche weiterzuleiten. Nun könnte man einwenden, dass das auch gar nicht der Job der Leute ist und hätte damit auch recht – wenn eben diese Leute nicht gleichzeitig sehr wanderlustig und dadurch von früh bis spät zu Besuch in anderen Ressorts wären, wohin die am Platz verbliebenen oder ebenfalls nur kurz mal vorbeischauenden Kollegen aber leiderleider Gespräche nicht durchstellen können.

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Wagemutige versuchen es trotzdem: »Moment, ich probiers. Mist, wie ging das noch? Hörst du mich? Hmmm, hat also nicht geklappt.« Das ist zwar nett, aber auch Zeitverschwendung, weil man in diesen langen Minuten sich auch an den Rechner hätte setzen und das Impressum der Jungle World mit den vielen schönen Telefonnummern aufrufen können, aber jetzt ist sie vertan, diese Viertelstunde, unwiederbringbar dahin.

Gut, aber dafür im Lotto gewinnen? Ja. Denn einen teuren Telefon-Privatcoach für jeden einzelnen Redakteur und jede einzelne Redakteurin zu verpflichten wird nicht reichen, es muss schon auch das Ambiente stimmen, sonst wird das nix. Deswegen sollte der Workshop mindestens an einem idyllischen Meer stattfinden. Zwischen den einzelnen Kapiteln des Lehrstoffs werden erlesene Häppchen und Getränke gereicht, das motiviert zusätzlich, und irgendwann ist es soweit und man ruft in der Redaktion an und wird verbunden. Dafür ist nun wirklich kein Preis zu hoch.