Imprint - Abdruck aus Nadja Strasser: »Von Etappe zu Etappe«

Wer war Nadja Strasser?

Die jüdische Feministin und Sozialistin Nadja Strasser wurde mit ihren Romanen und literarischen Übersetzungen bekannt. Jetzt werden ihre Jugenderinnerungen veröffentlicht.

Nadja Strasser, die Verfasserin der vorliegenden Erinnerungen, war bis in die dreißiger Jahre des vergan­genen Jahrhunderts hinein eine im deutschsprachigen Raum bekannte literarische Übersetzerin und Autorin. Sie übersetzte Klassiker der ­russischen Literatur wie Fjodor Dostojewskij und Andrej Belyj ins Deutsche, aber sie war auch selbst eine Schriftstellerin von bemerkenswerter Originalität und Radikalität. 1917 erschien in Berlin ihr Buch »Die Russin«, 1919 folgte »Das Ergebnis. Lyrische Essays«. Mit beiden Arbeiten hat Strasser sich als eine der frühesten Frauenrechtlerinnen in der europäischen Kulturgeschichte ausgewiesen, wobei sie selbst diesen Begriff aber entschieden zurück­gewiesen hätte. Sich selbst nannte sie eine »Frauenpflichtlerin«, denn sie war der Meinung, als Frau habe sie die Pflicht, sich gegen die bestehenden Geschlechterverhältnisse aufzulehnen. Andere Frauen attackierte sie wegen ihrer unterwürfigen Haltung den Männern gegenüber.

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Nadja Strasser war eine Schwester von Maria Einstein-Schäfer, einer ­literarischen Übersetzerin aus dem Französischen, und zeitweise Schwägerin des Kunsthistorikers Carl Einstein, eines der ersten Deutschen, die sich mit dem Kubismus beschäftigt haben. Und sie war eine Schwester von Alexandra (Anja) Ramm-Pfemfert, die ihren Mann Franz Pfemfert bei der Herausgabe seiner avant­gardistischen Zeitschrift Die Aktion (1911–1932) unterstützte und ihrerseits als Übersetzerin aus dem Russischen hervortrat. Ohne selbst Trotzkistin zu sein, übersetzte Alexandra Ramm-Pfemfert die Schriften Trotzkis zu Zeiten, als dies großen persönlichen Mut erforderte.

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