Rechtsextreme Studentenverbindungen

Kaderschmiede der AfD

Chauvenistisch, rassistisch, antisemitisch: Der Einfluss rechtsextremer Burschenschaften auf die Bundespolitik steigt. In der AfD haben sie nun auch eine Partei, um sich zu vernetzen.

Alte Herren sind mitnichten im politischen Ruhestand. Sie führen und lenken Fraktionen oder Verbände. Rechts von der Union hatten die Ehemaligen der Studentenverbindungen lange keine erfolgversprechende Parteioption. Dank der Gründung und den Wahlerfolgen der »Alternative für Deutschland« (AfD) haben viele Alte Herren insbesondere aus extrem rechten Burschenschaften mittlerweile eine Partei gefunden, um Volk und Vaterland zu retten. »Da existieren einige unheilige Allianzen«, sagt Alexandra Kurth. Die Gießener Politologin beobachtet seit Jahren die Entwicklungen dieser Männerbünde mit Lebensbundversprechen.

Burschenschaften sind eine Kaderschmiede für die AfD. Die Partei findet dort Personen mit akademischer Ausbildung und nationalistischer Einstellung.

In Hamburg führt Alexander Wolf die Bürgerschaftsfraktion der AfD an. Vor der dortigen Wahl 2015 musste Wolf seine Mitgliedschaft in der Münchner Burschenschaft Danubia einräumen, die selbst der bayerische Verfassungsschutz für »rechtsextremistisch« hält. Wolfs Parteikarriere schadet diese Zugehörigkeit freilich nicht. Er stieg zum Fraktionsvorsitzenden auf. Der Jurist rief im vergangenen Jahr das sogenannte Lehrer-Portal ins Leben. Dort können vermeintlich linke Lehrkräfte angeschwärzt werden. Damit gelang es Wolf, eine Kampagne gegen die Hamburger Ida-Ehre-Schule zu lancieren, in der behauptet wurde, die Schule werbe für linksextreme Positionen.

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Die rechten Anfeindungen griffen manche lokale Medien anfänglich auf, die Kampagne wurde für die AfD zu einem medialen Erfolg. Dem Fraktionsvorsitzenden schadet es parteipolitisch auch nicht, dass er zu Studienzeiten für die Veröffentlichung eines einschlägigen Liederbuchs verantwortlich war. Das Cover zeigt einen schwarzen Adler auf rotem Grund. Die Liedtexte beinhalten nicht minder klare Bekenntnisse. Auf Seite 172 finden sich die Hymne der Hitlerjugend (HJ), »Unsere Fahne flattert uns voran«, sowie ein weiteres HJ-Lied.

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