Abzocke und schwarze Magie

Fauler Zauber

Im westafrikanischen Benin leben Trickbetrüger davon, leichtgläubige Europäer im Internet abzuzocken. Manche schrecken auch vor Ritualmorden nicht zurück.

Louis A.* entschloss sich erst nach langem Zögern, mit der Jungle World darüber zu sprechen, womit er sein Geld verdient. Das Aufnahmegerät blieb während des Interviews ausgeschaltet, seine Antworten wurden per Hand mitgeschrieben – darauf bestand er. Der 22jährige lebt gefährlich und könnte im Gefängnis landen, wenn er nicht aufpasst. Denn er ist das, was man in Benin einen gayman nennt.

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Gayman – das hat nichts mit gay im Sinne von Homosexualität zu tun. Im beninischen Slang bedeutet gay vielmehr: Betrug, Schwindel, Abzocke. Louis A. verdient sein Geld damit, dass er Leute, meist Europäer, im Internet hereinlegt – ein Phänomen, das nicht nur in Benin, sondern auch in Nachbarländern wie Nigeria, Togo und Ghana verbreitet ist.

Louis A. hatte eigentlich einmal ganz andere Pläne für sein Leben. »Ich wollte das Abitur machen«, sagte er. Nachdem er durch die Prüfungen gefallen war, brachten Freunde ihn auf die Idee, gayman zu werden. Das war vor zwei Jahren. Sechs Monate lang machte er eine »Ausbildung«, wie er es nennt – erfahrene gaymen weihten ihn in die Tricks der Branche ein, im Gegenzug gab er ihnen einen Teil seiner Beute ab. Inzwischen arbeitet er selbstständig, lädt seine ehemaligen »Lehrer« aber hin und wieder zum Essen ein. »In gewisser Weise sehe ich sie immer noch als meine Chefs«, so Louis A. Über seine Familie wollte er nur sagen, dass sie weder besonders arm noch besonders reich sei und keine Ahnung davon habe, womit er sein Geld verdient. Selbst sein Bruder, mit dem er zusammenwohnt, denke, Louis A. schlage sich mit Gelegenheitsjobs durch, wie so viele junge Menschen in Benin.

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