Lynchmorde an Schwarzen in den USA

Roter Sommer, weißer Terror

Vor 100 Jahren ermordeten Lynchmobs in den USA Hunderte Schwarze. Die Pogrome sind heute fast vergessen, während der Rassenhass unter Trump wieder salonfähig wird.

Der 27. Juli 1919 war ein brütend heißer Tag. Die Millionenstadt Chicago litt unter einer Hitzewelle. Abkühlung verschaffte man sich an den Stränden des Michigansee, ein Gewässer, das größer ist als Dänemark. Die Strandabschnitte von Chicago und Umgebung waren im Jahre 1919 strikt nach Hautfarbe getrennt, so wie der Rest der Stadt auch. Am Spätnachmittag des 27. Juli fuhr der 17jährige Eugene Williams auf einem Floß vom schwarzen in den weißen Abschnitt eines solchen Strands. Ein Weißer warf daraufhin mit Steinen nach dem Jungen, was Williams von seinem Floß abrutschen ließ. Er konnte nicht schwimmen und ertrank.

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Chicago war damals ein Pulverfass. Aufgrund der strikten Rassentrennung mussten Afroamerikaner in der völlig überbevölkerten South Side leben. Mit Beginn der sogenannten Great Migration, der großen Flucht vor Rassismus und Armut der Südstaaten, waren die großen Industriezentren des Nordens und des Mittleren Westens völlig überlaufen. Immer mehr Menschen – Schwarze wie Weiße – wetteiferten um immer weniger Wohnraum und eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen.

Als 1918 der Erste Weltkrieg zu Ende ging, kehrten zahllose schwarze Veteranen zurück in die USA. 350.000 Afroamerikaner hatten im Krieg gedient und sich dabei durchaus verdient gemacht, wie beispielsweise das 369. Infanterieregiment, die sagenumwobnen Harlem Hellcats. Die Heimkehrer hofften aufgrund ihrer Verdienste auf gesellschaftliche Gleichstellung, doch sie wurden bitter enttäuscht. Stattdessen erlebten sie Anfeindungen, nicht wenige wurden gelyncht. Der Tod Eugene Williams' brachte in Chicago das Fass zum Überlaufen. Als die Polizei sich weigerte, den Angreifer zu verhaften, kam es zu Unruhen, woraufhin weiße Jugendliche in ihre Autos stiegen und durch die South Side rasten. Sie schossen auf Häuser und Geschäfte – sie suchten nach Opfern.