Die Junkies von der Jungle

Homestory #35/36

Drogen? Ohne geht bei uns gar nichts.

Die Droge, die in der Jungle World am häufigsten konsumiert wird, ist der Kaffee. Wenn die Vorräte zur Neige gehen, werden die ­Junkies in der Redaktion nervös. Denn ohne den morgendlichen Koffeinkick ist mit so manchem Kollegen wenig anzufangen. Die zweitliebste Droge der Jungle-Bewohner ist das Nikotin. Es dient der Entspannung und erzeugt kleine Frischluftpausen für die Konsumenten, seit im ganzen Redaktionsgebäude das Rauchen verboten ist. Nach Feierabend soll es aber auch schon zum Bier­konsum gekommen sein. Vereinzelt wurden sogar Reste von Joints gefunden.

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Die Freundinnen und Freunde des Kiffens freuen sich auch schon besonders auf unsere bevorstehende Reise nach Israel. Dort kann man nicht nur (fast) legal Kiffen, sondern auch Geld mit dem grünen Gold verdienen. In der Forschung zu medizinischem Cannabis liegt Israel ganz weit vorn. Dem israelischen Gesundheitsministerium zufolge soll es bereits 550 Anbaubetriebe geben, die eine ­Lizenz für die Kultivierung von pharmazeutischem Cannabis besitzen.

Eine Studie, die im Auftrag der israelischen Regierung erstellt wurde, schätzt den Umsatz auf dem israelischen Markt auf umgerechnet bis zu 1,4 Milliarden Euro und das Jerusalemer Institut für Marktstudien, ein ökonomischer Think Tank, hat errechnet, dass die völlige Legalisierung von Cannabis in Israel zu zusätzlichen Steuereinnahmen in Höhe von umgerechnet 675 Millionen US-Dollar führen würde. In Israel wird Cannabis schon bei Epilepsie verschrieben, bei Parkinson, zur Milderung der Symptome von Krebserkrankungen und auch autistischen Kindern. Die Armee hat ein Versuchsprogramm aufgestellt, um die Wirkung von Cannabis bei posttraumatischen Belastungsstörungen ihrer Soldaten zu testen. Holy Shit! Ob wir auch ein ärztliches Attest erhalten, wollen wir in den kommenden beiden Wochen herausfinden. Dann nämlich produzieren wir die fette Israel-Ausgabe von unsere Strandvilla in Tel Aviv aus. Vielleicht konsumieren wir dabei auch.

Der kommerzielle Anbau und der Verkauf von Cannabis bleiben in Israel aber weiterhin strafbar. Wer in der Öffentlichkeit kifft und dabei erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Dann bleiben wir vielleicht doch lieber beim Bier. Obwohl auch das nicht so einfach zu sein scheint. »Das größte Problen, das Israel hat, sind die Bierpreise«, warnte uns ein israelischer Kollege aus Tel Aviv noch kurz vor der Abreise. Endlich redet mal einer #Tacheles.

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