Homestory #40

Sie haben Glück: Diese Woche mussten Sie nicht ganz so lange auf die neuste Ausgabe der Jungle World warten. Diesmal ist der Mittwoch der Erscheinungstag und somit gewissermaßen bereits der Donnerstag, die Zukunft ist also ein Stückchen näher als sonst. ­Wobei das mit der Zukunft heikel ist, weil man nie weiß, was noch alles passieren kann. Insbesondere in einer Woche wie dieser, wenn der Mittwoch schon der Donnerstag ist, weil der Donnerstag ein Feiertag ist – ein besonders schrecklicher, aber dazu gab es in der Jungle World in der Vergangenheit schon genug zu lesen – und der vergangene Montag also ein Dienstag (Redaktionsschluss!) war, müssen wir besonders genau in die Zukunft sehen, nicht nur freitags wie die jungen Leute, und Dinge vorwegnehmen.

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Bei manchen Themen ist dies einfacher als bei anderen. Beim Gerangel um den britischen EU-Austritt weiß man zum Beispiel, dass alles ganz chaotisch läuft und es immer anders kommt, als man denkt. Also könnte man einfach das aufschreiben, von dem man denkt, dass es nicht geschehen wird. Doch Vorsicht, Prophezeiungen sind hier unbeliebt. Die Zukunft darf nicht als allzu vorhersehbar angesehen werden, à la »wenn die Linke dies und das tut, wird dies und das ­geschehen«, »wenn Trump das twittert, werden alle die USA lieben«, »wenn der Messias erscheint, wird alles gut«. Die Wahrsagerei ist ein kompliziertes Geschäft, dennoch blicken wir weiter angestrengt in die Zukunft. Selbst die Krankheiten, deretwegen man im Dezember als Arbeitskraft ausfallen wird, muss man hier schon anmelden.

Dabei weiß man gar nicht sicher, ob es ein Weihnachtsfest in drei Monaten überhaupt noch geben wird. Denn einem gerade vorgestellten Bericht der Weltnaturschutzunion (IUCN) zufolge ist über die Hälfte der nur in Europa vorkommenden Baumarten gefährdet. Einem Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) über die Ozeane und die weltweiten Eis- und Schneevorkommen zufolge schmilzt das Eis an den Polen schneller als erwartet, also auch in der Heimat des Weihnachtsmanns, der nun wohl mit seinem Rentierschlitten im Polarmeer baden geht – was wird aus dem Weihnachtsfest ohne ihn und ohne Baum? Andere Probleme, die auf uns zukommen, sind Trinkwasserknappheit, multiresistente Keime, Große Koalitionen. Vielleicht wäre es doch besser, die Zukunft ließe noch ein bisschen auf sich warten, auch wenn in der Redaktion schon eine Kollegin mit Greta-Zöpfen gesichtet wurde. Oder waren es Zapatista-Zöpfe? Womöglich gar völlig unpolitische Zöpfe? Ach, man kann es nicht genau wissen.