Homestory #42

Über den Journalismus gibt es bekanntlich viele Vorurteile. Manche Leute glauben, Journalisten überlegten, nachdem sie die neuesten Anweisungen von George Soros abgerufen und die vom Mossad erhaltenen Schekel auf ihr karibisches Konto überwiesen haben, mit diabolischem Grinsen, wie sie Deutschland zu einer schweinfleisch- und dieselfreien grün-islamistischen Öko-Diktatur mit ­Greta Thunberg als Kalifin machen können. Andere Vorurteile sind ebenso falsch, aber romantischer: Unter tropischer Sonne jagt der Journalist im Kugelhagel der Story seines Lebens hinterher, muss dabei eine schwierige ethische Entscheidung treffen und eine tragisch endende Liebschaft absolvieren, wird jedoch schließlich mit dem Pulitzer-Preis belohnt. Aber das Leben der meisten Journalisten und Journalistinnen ist weit weniger spektakulär. Es spielt sich in einem Büro ab und die größte Gefahr ist, dass ein Kollege alle Gummibärchen wegfuttert oder der Kaffee ausgeht. So ist es auch bei uns. Das erweckt hin und wieder ein bisschen Neid auf unsere Auslandskorrespondenten in tropischen Ländern, auch wenn das Wohlbefinden dort immer häufiger von Rauchschwaden infolge von Waldbränden oder Tränengasnebel infolge von Polizeieinsätzen beeinträchtigt wird.

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Unter anderem weil wir auch mal raus wollen, produziert unsere Redaktion jährlich eine Auslandsausgabe. Aber auch im grauen ­Redaktionsalltag kann es vorkommen, dass ein Außenteam zusammengestellt wird. Dies geschieht meist, wenn in einer anderen Stadt eine Veranstaltung ansteht. Dabei handelt es sich zwar um eine deutsche Stadt, aber das Ambiente kann dennoch exotischer sein als in den Tropen. Zudem mündet eine Veranstaltung meist in eine Party oder doch zumindest in einen geselligen Kneipenabend. Aus ähnlichen Gründen waren früher auch die Reisen zur Frankfurter Buchmesse so beliebt, so jedenfalls denken die Redakteure, die daheimbleiben mussten. Auch über die Buchmesse gibt es zahlreiche Vorurteile. Viele Menschen glauben, da ginge es um Bücher. Tatsächlich liegen dort welche herum, unbestätigten Gerüchten zufolge wird sogar hin und wieder eines gelesen. Aber in erster Linie handelt es sich um eine Messe, bei der etwas verkauft werden soll – dort tummeln sich also Geschäftsleute, die ebenso mit Würsten oder Waffen handeln könnten. Und dann gibt es natürlich noch die ­Kulturszene, Sie wissen schon, das sind die Leute, über die Witze kursieren wie: »Gehen zwei Schriftsteller an einer Kneipe vorbei.« Sogar von Rauschmittelkonsum wurde schon berichtet. Wir wollen niemanden mehr solchen Versuchungen aussetzen, deshalb lassen wir uns bei dieser lasterhaften Veranstaltung von seriösen befreundeten Verlegern repräsentieren, die jedem Exzess abhold sind. Also, falls Sie die Buchmesse besuchen und die Jungle World suchen: Sie finden sie in Halle 4.1/Stand D37 beim Verbrecher-Verlag.