Cocolumne

Südlich by nature

Kolumne Von

Wenn aus einer harmlosen Pyjama-Party eine wilde Sexorgie wird… Coco sollte das erste Mal bei ihrer besten Freundin K. übernachten. Kaum war sie dort, bestieg Coco die gerade läufige K. von hinten, die ihrerseits willig die Rute zur Seite legte. So ging das den ganzen Abend und morgens nach dem Frühstück ging es genauso weiter. Tja, mit den Koordinaten des alten weißen Mannes kommt man in der Tierwelt nicht weit. Sowieso: Koordinaten. Sehr relativ!

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Der Norden ist böse, der Süden gut. So weit, so logisch. Norden: kalt, Schnee, Depressionen, Alkoholismus. Süden: warm, Sonne, vino und amore. Können Sie sich vorstellen, dass Goethe mit der Postkutsche statt nach Italien nach Finnland gereist wäre? Dass sich Paul Gauguin auf einer Nordseeinsel niedergelassen hätte? Hätten Sie Brooke Shields in »Der blaue Fjord« sehen wollen? Selbstverständlich nicht. Wie sagt Baumbart so schön in »Der Herr der Ringe«: »Ich gehe immer gerne nach Süden, irgendwie fühlt es sich an, als würde ich bergab gehen.« Oder anders gesagt: Vamos a la playa!

Doch es ist, wie immer, komplizierter: Denn nicht nur der Norden ist böse, sondern sogar der »globale Norden«. Nur wo ist dieser globale Norden? So ganz global kann er wohl kaum sein, sonst gäbe es ja keinen Süden und schon gar keinen ebenfalls »globalen«. Sicherlich müssen in Zeiten der Globalisierung auch die Himmelsrichtungen globalisiert werden. Allerdings gibt es da ein Problem: Der Westen kann, von woanders aus betrachtet, genauso gut der Osten sein. Der Norden aber ist letzt­lich festgelegt, eingenordet. Ganz oben im Norden ist der Nordpol. Punkt. Einen Westpol gibt es nicht.

Dennoch ist ständig vom »globalen Norden« und »globalen Süden« die Rede. Was ist gemeint? Wohl so etwas wie: Der »globale Süden« leidet unter Armut, Rassismus und Klimawandel und der »globale Norden« ist schuld. An allem eigentlich, also etwa wie die sogenannten baby boomers. Der globale Norden ist der alte weiße Mann des Globus. Allerdings: Von den Ländern, die die Todesstrafe anwenden, liegen die meisten deutlich südlich von Rom. In Südafrika bedrohen rassistische Mobs Migranten aus dem Norden. Die meisten Kohlekraftwerke werden gerade geplant in – in dieser Reihenfolge – China, Indien, Türkei, Vietnam, Indonesien, Bangladesh, Japan, Südafrika, Ägypten und auf den Philippinen. Norden oder Süden? Puh, schwer zu sagen.

Ob Coco weiß, was Himmelsrichtungen sind? Zugvögel wissen so etwas. Aber Hunde? Zoologen der Universität Duisburg-Essen haben das untersucht. 50 Hundehalter mit insgesamt 70 Tieren haben zwei Jahre lang gemessen, in welcher Richtung die Hunde ihren Kot abließen, wenn sie ohne Leine unterwegs waren. Ergebnis: Sie bevorzugen eindeutig eine Nord-Süd-Ausrichtung ihrer Wurst. Das zumindest wäre also geklärt.