Repressionen gegen Journalisten

Zensurmeister

Der Mada Masr-Redakteur Shady Zalat wurde in Ägypten kurzzeitig festgenommen.

Das ägyptische Regime unter Präsident Abd al-Fattah al-Sisi ist sehr ängstlich. Ständig wittert es Gefahren, sei es durch die Muslimbrüder, Protestierende, Menschenrechtler oder Journalisten. Zur Niederschlagung der jüngsten Proteste gegen das Regime, die Mitte September ausgebrochen waren (Jungle World 42/2019), ließ es dem unabhängigen ägyptischen Nachrichtenportal Mada Masr zufolge über 4 000 Menschen verhaften, darunter zahlreiche Journalisten. Am vergangenen Wochenende holte das Regime zum Schlag gegen Mada Masr selbst aus. Shady Zalat, ein bekannter 37jähriger Redakteur des 2013 gegründeten Nachrichtenportals, wurde am Samstagmorgen von Ordnungskräften in seiner Wohnung in Kairo festgenommen. Sie wiesen sich nicht aus, zeigten keinen Haftbefehl vor und nannten keine Begründung für die Razzia, nahmen aber Zalat, Arbeitsdokumente und seinen Laptop sowie den seiner Frau mit. Zunächst blieb Zalats Verbleib unbekannt. Am Sonntag durchsuchten Beamte in zivil dann die Redaktionsräume von Mada Masr in Kairo. Sie nahmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest, beschlagnahmten Dokumente und Computer und befragten stundenlang selbst ausländische Journalisten, die sich nur zu Besuch in der Redaktion befanden. Am Sonntagabend wurden schließlich alle Festgenommenen freigelassen, auch Zalat.

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Die Gründe für die Razzien und Festnahmen sind bislang nicht bekannt. Vermutet wird, dass sie mit Berichten Mada Masrs über Mahmud al-Sisi, einen Sohn des Präsidenten, zusammenhängen. Darin wurden anonyme Quellen zitiert, darunter Mitarbeiter des Geheimdiensts (GIS), die behaupten, Mahmud al-Sisi werde in die Botschaft nach Moskau versetzt, da er als hoher Funktionär des GIS die Medien während der jüngsten Proteste nicht im Griff gehabt habe. Ägypten ist nach der Türkei und China das Land mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit; 2018 waren es 25. Zalat hatte also noch Glück, dass er wieder freikam. Repressalien gegen Mada Masr gibt es schon länger. Mitarbeiter wurden inhaftiert, die Website wurde über ein Jahr lang blockiert und ist in Ägypten nur über eine VPN-Verbindung erreichbar. Mahmud al-Sisi hat seine Aufgaben also ernst genommen, freie Berichterstattung konnte er aber nicht völlig verhindern.