Von Natur aus homophob

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Tradition, Religion und Natur – auf diese Kategorien berufen sich Homophobiker gerne. Auch der sambische Präsident Edgar Lungu begründet die Kriminalisierung von Homosexualität in seinem Land damit. ­Homosexualiät sei »unbiblisch und unchristlich« und »wir missbilligen sie«, behauptet er stellvertretend für den homophoben Mob, meint mit »wir« aber die sambische Gesellschaft. »Nicht einmal Tiere tun dies, warum sollten wir dazu gezwungen sein«, so der Präsident. Die Kritik eines US-Diplomaten an einer hohen Haftstrafe für ein homosexuelles Paar in Sambia wies Lungu als »respektlos« gegenüber der Kultur und den Werten in Sambia zurück.

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2017 hatten zwei Männer in einem Hotelzimmer in der sambischen Stadt Kapiri Mposhi einvernehmlich Sex. Eine Hotelangestellte gab an, die beiden heimlich beobachtet zu haben. Die Männer wurden angezeigt und 2018 zu 15 Jahren Haft wegen einer Straftat »gegen die Ordnung der Natur« verurteilt. Sie gingen in Berufung, doch vergangene Woche wurde das Urteil in zweiter Instanz bestätigt. Der US-Botschafter in Sambia, Daniel Foote, sagte, er sei »entsetzt« über die harte Strafe. Das passte Lungu nicht.

Am Montag kündigte er an, sich bei der US-Regierung über Foote zu beschweren. Dieser erhielt über ­soziale Medien zahlreiche Drohungen und sagte daraufhin seine Teilnahme an den offiziellen Feiern zum Welt-Aids-Tag in der Hauptstadt Lusaka am 3. Dezember ab. In einer Stellungnahme kritisierte er, dass »diskriminierende und homophobe Gesetze, die sich fälschlicherweise auf das Christentum und die Kultur berufen, weiterhin unschuldige Sambier töten«.

Das Gesetz, das homosexuelle Handlungen kriminalisiert, stammt aus der britischen Kolonialzeit. Seit der Unabhängigkeit Sambias 1964 war allerdings reichlich Zeit, um es abzuschaffen. Foote drohte, die USA könnten Entwicklungsgelder an Sambia streichen, sollten die Menschenrechte nicht gewahrt werden. Lungu entgegnete, es sei falsch, die Hilfe an die »Einführung von Homosexualität« zu koppeln, da Sambia »Traditionen und Werte« habe, die respektiert werden müssten. Die persönliche Freiheit seiner Bürgerinnen und Bürger muss da wohl zurückstehen.