Olympia, Doping und die Faustkämpfer

Die Fortsetzung des Krieges

Von Bienen und Schmetterlingen – Die Boxkolumne
Kolumne Von

Dass die Austragung Olympischer Spiele noch als internationales »Treffen der Jugend der Welt« der Verständigung der ­Völker diene, daran glaubt selbst der größte Olympia-Idealist wohl nicht mehr. Der Wettkampf der Athleten ersetzt zwar das Championat der Soldaten, aber ein zivilisierendes Moment sucht man ansonsten vergeblich. Nach den Sanktionen der Weltantidopingagentur (Wada) gegen russische Athleten zeigte sich wieder einmal, dass der olympische Wettstreit der Nationen nur die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist.

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Die Sanktion verbietet es Russland, in den nächsten vier ­Jahren an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften teilzunehmen. Die russischen Boxer dürfen zwar unter neutraler Flagge antreten, drohen aber ihrerseits mit Boykott. Dem Generalsekretär der Russischen Boxföderation, Umar Kremlew, ­zufolge wollen die Athleten »nicht ohne Flagge und Hymne« teilnehmen. Der Ausspruch von Pierre de Coubertin, dem Gründer des Internationalen Olympischen Komitees, wonach das Wichtige an den Olympischen Spielen nicht der Sieg sei, »sondern daran teilzunehmen; ebenso wie es im Leben unerlässlich ist, nicht zu besiegen, sondern sein Bestes zu geben«, scheint endgültig aus der Mode zu sein.

Hintergrund für die verhängte Strafe sind manipulierte ­Daten im Moskauer Dopingkontrolllabor, auch bei Boxern. Nach den Olympischen Spielen in Rio de Jaineiro vor vier Jahren wurde dem russischen Boxer Michail Alojan die Silbermedaille wegen eines Dopingvergehens aberkannt. Er war in der Klasse bis 52 Kilogramm Zweiter geworden. In der ersten Runde hatte der Yezide den deutschen Boxer Hamza Touba besiegt.

Alojan ist kein Einzelfall, und Doping ist nicht auf russische Boxer beschränkt. Der ehemalige Boxprofi Robert Rolle gab im Gespräch mit dem Deutschlandfunk offen zu, dass Doping eine »große Rolle im Profiboxen« spiele. Im Gegensatz zu den Funktionären sprach er nicht von Einzelfällen. Boxen sei »die Sportart, die mit am meisten braucht«. Das reiche von »Abnehmmedikamenten bis hin zu Entwässerungstabletten, bis hin zu anabolen Steroiden, Wachstumshormonen, Epo, Blut­doping«. In seiner Zeit im Boxsport habe Rolle »viele Leute getroffen, die sich über so etwas wie Dopingkontrollen gar keine Gedanken gemacht haben, weil die sich einfach gesagt haben: ›Nicht einmal bei Meisterschaften finden teilweise Kontrollen statt.‹« Systematische unangemeldete Kontrollen bei den Athleten zu Hause gibt es im Profiboxen nicht.

Eine der Grundlagen des Dopings wurde in Berlin erfunden. 1935 gelang es dort, das Hormon Testosteron zu synthetisieren. Zwei Jahre später wurde es zur Therapie von Hormonmangel zugelassen. Anwendung fand das Medikament im Bereich der ­nationalsozialistischen »Rassenzucht«. Es stand im Ruf, die Zeugungsfähigkeit zu verbessern.