Prinz Andrew streitet Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs ab

Ekel statt edel

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Nichts sehen, nichts hören und vor allem nichts sagen – so versucht sich Andrew Albert Christian Edward, besser bekannt als Prinz Andrew, Herzog von York, aus der Affäre zu ziehen. Dafür wurde der jüngere Bruder von Prinz Charles jüngst öffentlich gerügt. Am Montag sagte der US-amerikanische Staatsanwalt Geoffrey Berman, Prinz Andrew habe bislang »keinerlei Kooperation« gezeigt. Die Anwältin Lisa Bloom ergänzte, Berman habe keine andere Wahl, als sich öffentlich zu Prinz Andrews mangelnder Kooperation zu äußern, da er nicht die Befugnis habe, diesen im Rahmen der strafrechtlichen Ermittlungen vorzuladen. Bloom vertritt fünf der Frauen, die angeben, von Jeffrey Epstein sexuell missbraucht worden zu sein. Der US-amerikanische Investmentbanker soll jahrelang Dutzende Mädchen und Frauen sexuell missbraucht, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen sowie einen Kinderprostitutionsring betrieben haben. Am 6. Juli 2019 wurde er festgenommen (Jungle World 29/2019), am 20. August beging er in Untersuchungshaft mutmaßlich Selbstmord. Von Prinz Andrew versprechen sich die Ermittler wichtige Informationen, er war ein langjähriger Freund Epsteins. Doch auch Prinz Andrew selbst wird belastet. Virginia Giuffre gibt an, mehrmals als Minderjährige, damals noch Virginia Roberts, von ihm missbraucht worden zu sein; Epstein habe sie gezwungen, mit dem Prinzen Sex zu haben.

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Der 59jährige Adelige kann sich jedoch angeblich nicht daran erinnern. Selbst als Fotos auftauchten, die ihn mit dem Mädchen im Arm zeigten, stritt er alle Vorwürfe und jeglichen sexuellen Kontakt ab. In einem Interview vom November 2019 mit der BBC gab er an, ihm sei bei seinen Besuchen in Epsteins Anwesen nie etwas Verdächtiges aufgefallen. Er sei daran gewöhnt, dass »ständig Bedienstete herumlaufen«. Nach dem Interview musste er auf Verlangen von Königin Elisabeth II. seine öffentlichen Ämter niederlegen. Bereits 2011 hatte er wegen ähnlicher Vorwürfe sein Amt als britischer Handelsbeauftragter verloren. Sollte es nicht zu einer Verurteilung wegen Sexualstraftaten kommen, könnten für ihn zumindest seine damaligen Geschäftskontakte zum Problem werden, denen er unrechtmäßig Vorteile verschafft haben soll.