Lieber kein Hamsterkauf

Anspruchsvolle Einzelgänger

Laborbericht.

Versprochen: Das C-Wort wird in dieser Kolumne kein einziges Mal auftauchen. Ganz im Sinne des Twitter-Hashtags #FlauschTheCurve geht es heute stattdessen um ein Thema, von dem man ohnehin nie genug bekommen kann, nämlich niedliche Tiere. Und zwar, um dennoch dem Gebot der Aktualität gerecht zu werden, um die Fellnasen der Stunde, die Hamster. Von diesen gibt es rund 20 Arten, von denen etliche als Haus- und, so viel harsche Wahrheit muss sein, teils auch als Versuchstiere gezüchtet werden.

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In menschengemachten Habitaten am verbreitetsten ist der Goldhamster; in freier Wildbahn gilt er hingegen als gefährdet, und dass sein angestammter natürlicher Lebensraum ausgerechnet im kriegserschütterten syrisch-türkischen Grenzgebiet liegt, dürfte die Sache nicht besser machen. Ein Teil der Region ist übrigens unter dem Namen Rojava bekannt; vielleicht käme es also sowohl dem Artenschutz als auch der kurdischen Bewegung zugute, wenn diese den possierlichen Nager als Symboltier adoptieren würde. Bijî Goldhamster!

An Beliebtheit haben in den vergangenen Jahren zudem diverse Zwerghamsterarten gewonnen, die außer in den Steppen Asiens offenbar vor allem auf Youtube und Instagram beheimatet sind. Leider trägt dieser Trend zu dem Irrglauben bei, es handle es sich um pflegeleichte, anschmiegsame Tierchen. Tatsächlich sind alle Hamster Einzelgänger und darum recht schwer zu zähmen; unzählige blutig gebissene Kinderhände zeugen davon. Als Haustiere für Kinder sind die Nagetiere auch deshalb nicht unbedingt geeignet, weil sie nachtaktiv sind, also genau dann munter werden, wenn die lieben Kleinen ­eigentlich ins Bett gehen sollen. Und auch Erwachsene mit Hamsterwunsch sollten sich genau über­legen, ob es eine Ecke für den Käfig gibt, wo einerseits das nächtliche Rattern des Laufrads die Menschen und andererseits deren Aktivität tagsüber den pelzigen Mitbewohner nicht stört.

Überhaupt, die Unterbringung. Eine wirklich artgerechte Haltung ist schwierig, denn die eng mit den Wühlmäusen verwandten Hamster leben eigentlich in unterirdischen Bauen. Ein Kleintierkäfig kann das ohnehin nicht bieten, sollte deshalb aber wenigstens großzügig proportioniert und mit mehreren Etagen, tiefem Streu zum Graben und Unterschlupfmöglichkeiten ausgestattet sein. Als Material zum Auspolstern des Häuschens empfiehlt der Tierschutzbund übrigens Heu, Stroh oder – falls welches vorrätig ist – Toilettenpapier.

Wer also eine zufriedene und zudem auch zutrauliche Pelznase möchte, muss viel Aufwand, Geduld und Zuwendung einplanen – oder sollte sich doch lieber für Meerschweinchen entscheiden. Plural, wohlgemerkt, denn diese sehr viel sozialeren Tiere brauchen Gesellschaft. Nebenher sind die südamerika­nischen Nager, ebenso wie Kaninchen, zudem die ­ultimativen Prepper-Haustiere: In ganz harten Zeiten mit komplett leergehamsterten Geschäften bieten sie schlicht die bessere Portionsgröße.