Vermieter in der Krise

Seid solidarisch, zahlt Miete!

Die preisgekrönte Reportage.

»Von mir aus kann künftig wohnen, wer will!« Es sind scharfe Worte, die Herbert Eorla-Kleinmann wählt. Nicht ohne Grund: Der Vorsitzende des Vermieterverbands Frankfurt hat in den vergangenen Wochen eine dünne Haut bekommen. Zunächst war da die Ankündigung großer Einzelhandelsketten, ihre Miete einstweilen nicht zahlen zu wollen, solange der Ausnahmezustand gilt. Dann folgte ein heftiger Proteststurm. Schließlich das Einknicken des Einzelhandels. Eorla-Kleinmann fühlt sich im Stich gelassen: »Wir Vermieter haben keine Lobby. Also eigentlich haben wir Tausende Lobbys, weil viele vermietete Gebäude ja auch eine Lobby haben. Aber an uns denken die meisten Leute nur selten. Einmal im Monat, und vielleicht noch zum Jahresende.«

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Grundsätzlich hat Eorla-Kleinmann Verständnis, wenn Unternehmen und Bürger nicht wissen, wie sie die nächste Miete bezahlen sollen: »Ich verstehe die Verwirrung! Aber das Verfahren ist eigentlich ganz einfach: oben die IBAN, unten der Betrag, dann die PIN. Das bleibt auch in Corona­zeiten im Wesentlichen so.« Von Mietendeckeln, Stundungen und anderen Notfallmaßnahmen hält er wenig. »Wir Vermieter haben auch Kosten! Reparaturen aufschieben, Eigenbedarf feststellen, Porto für Mieterhöhungen – das alles geht ins Geld.« Teilweise sind es hohe zweistellige Beträge, die Eorla-Kleinmann jedes Jahr auf die Betriebskosten seiner Mieter umlegen muss. »Das sind immer mindestens zehn Stunden Buchhaltung und Korrespondenz! Dafür klatscht mir dann niemand ein Dankeschön.« Eorla-Kleinmann wünscht sich einen besseren Schutz, gerade für kleinere Vermieter: »Es gibt Leute, die haben zehn, zwölf Wohnungen und sonst gar nichts! Viele dieser Menschen müssen teilweise selbst diese Wohnungen bewohnen. Albert Schweitzer hat ­gesagt: Gott ist allmächtig, nur für die Schönheitsreparaturen, dafür braucht er uns Menschen. Da, finde ich, ist einiges an Wahrheit dran.« Kleinmann wünscht sich einen behutsameren Umgang mit dem Thema: »Die meisten Menschen werden nicht freiwillig Vermieter, sondern durch Schicksalsschläge wie Erbschaften, sprich Todesfälle. An diese Schicksale sollten wir auch denken!«

Aus der Urteilsbegründung:
Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.