Dominic Cummings, der tolle Trickser des britischen Premierministers

Der tolle Trickser

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Der Kompetenzcluster in Downing Street Nr. 10 hat das Kunststück fertiggebracht, durch haarsträubende Unfähigkeit und suizidale politische Entscheidungen das Vereinigte Königreich zu dem europäischen Land mit den meisten Covid-19-Todesfällen zu machen. Nun schreitet er munter voran in der Kunst der Selbstdemontage.

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Ende voriger Woche wurde bekannt, dass Dominic Cummings, der sogenannte Chefberater von Premierminister Boris Johnson, mit seiner Frau, der Journalistin Mary Wakefield, und beider Sohn mehr als 400 Kilometer im Auto nach Nordengland in die Grafschaft Durham gefahren war. Wakefield zeigte bereits ­Covid-19-Symptome, Cummings bekam sie kurz darauf. Die offizielle Richtlinie der Regierung zu jener Zeit besagte, Menschen mit Covid-19-Symptomen sollten sich für sieben Tage, ihre Familienangehörigen sich für 14 Tage in Hausquarantäne begeben. Aber was für Karl Napf gilt, gilt noch lange nicht für superwichtige Kritiker der »Elite« und Regierungsberater wie Cummings. Rund zwei Wochen später wurde Cummings‚ Familie neben dem Ausflugsziel Barnard Castle gesehen, 50 Kilometer weiter. Cummings’ Sehkraft war wegen der Erkrankung beeinträchtigt. Auf einer bizarren Pressekonferenz am Montag sagte er, er habe den Ausflug nach Barnard Castle gemacht, um zu testen, ob er Autofahren könne. Logisch: Wenn man Zweifel hat, ob man genug sieht, um Auto fahren zu können, setzt man sich in den Wagen und brettert drauflos. Seit Jahren, so sagte Cummings weiter, habe er auf seinem Blog vor den Gefahren von Pandemien gewarnt. Im vergangenen Jahr habe er über die mögliche Gefährdung durch Coronaviren und die dringende Notwendigkeit entsprechender Planung geschrieben. Dann kam heraus: Den fraglichen Blogeintrag vom vorigen Jahr hat er erst im April 2020 um den Verweis auf Coronaviren ergänzt.

Einen Rücktritt schließt Cummings aus. Boris Johnson unterstützt ihn uneingeschränkt. Nach Angaben der Marktforschungs- und Beratungsfirma Savanta lag die Zustimmungsrate Boris Johnsons am Montag bei minus einem Prozent, die der britischen Regierung bei minus zwei.