Verscheucht die Sommerdiebe

Der geklaute Sommer

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Der Sommer ist ruiniert, machen wir uns mal nix vor. Das ist vor allem deswegen schade, weil die Anzahl der Sommer, die man selbstbestimmt verbringen kann, nicht besonders hoch ist. Von den 80, die man durchschnittlich erlebt, muss man schließlich rund 15 abziehen, die man als Kind mit der Familie zu verbringen gezwungen ist, was nicht immer ein großer Spaß ist. Macht 65 potentielle Sommer, minus, sagen wir: zehn, in denen Alter und Gesundheit dazu führen, dass bloß noch Ferien in irgendeinem Kurort im Bergischen Land möglich sind, obwohl, halt, nein, lieber doch irgendwas ohne große Steigungen. Den Niederrhein vielleicht, da ist alles so schön flach, außerdem ist dort wenig los, da gibt es sicher auch schöne Ecken, Wiesen, Weiden, Städtchen, die an Holland erinnern. Immerhin, aber eben keine aufregenden Abenteuer und große Entdeckungen mehr, was die Zahl der möglichen Lebenssommerferien auf 55 senkt.

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Von denen mindestens noch mal zehn subtrahiert werden müssen wegen prekärer Lebensumstände, allgemeiner Widrigkeiten und diesem und jenem – und diese zehn fehlenden Sommer sind auch bloß eine sehr vorsichtig Schätzung, so ist das ja nun nicht. Jedenfalls, es bleiben rund 45 Sommer voller Ferien und Glück und Meer und guck mal, das Café dort vorne sieht doch hübsch aus und oh, ich weiß ja nicht, meinst du wirklich, das schmeckt, und nein, lieber keine Luftmatratze als so ein scheußliches Dings.

Und nun hat uns dieses dämliche Virus also noch einen Sommer zusätzlich geklaut, na schönen Dank auch, und mit etwas Pech wird es noch einer mehr, wenn diese Coronatrottel so weitermachen und weder auf Abstände achten noch Masken tragen, was ohnehin von ausgewiesener Unverschämtheit ist, aber angesichts der begrenzten Sommer, die man hat, noch unverschämter wird. Geht weg, Sommerklauer, alle.