Homestory #28

Der Sommer ist da. Na ja, mehr oder weniger. Jedenfalls haben die Freibäder wieder geöffnet, die Biertische stehen vor den Kneipen und auch in den Kühlschränken der Spätis ist das Bier wohltemperiert. Gewiss, es gibt da noch ein paar Einschränkungen, so muss ein Platz im Freibad online reserviert werden, und vor dem Gang aufs Kneipenklo muss das benebelte Hirn sich daran erinnern, wo zur Hölle man die Maske hingestopft hat. Aber das sind Kleinigkeiten. Der gemeine Berliner lässt die Maske fallen, Urinpfützen trocknen wieder vor den Hauseingängen, und man weiß: Die Stadt kehrt zur Normalität zurück. Und nicht nur sie.

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Das muss auch so sein, wegen der Wirtschaft. Die Bundesregierung möchte, dass wir jetzt wieder volle Kanne konsumieren und es nach Monaten des Entzugs an den Kassen so richtig krachen lassen. Also, symbolisch gesprochen natürlich, nicht so wie in Stuttgart. Kaufen ist die neue Bürgerpflicht, vielleicht wichtiger noch, als die Polizei zu lieben. Aber sogar die Bundesregierung hat gemerkt, dass Konsumlaune das eine, ein leerer Geldbeutel das andere ist. Deshalb hat sie beschlossen, die Mehrwertsteuer vorübergehend zu senken. Yay! Der normale Steuersatz sinkt von 19 auf 16 Prozent, der reduzierte von sieben auf fünf Prozent. Allerdings nur für ein halbes Jahr, vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020.

Das Problem ist natürlich, dass die Unternehmen den Steuernachlass keineswegs zum Anlass für eine Preissenkung nehmen müssen. Da fragen Sie sich sicherlich, wie wir es halten und ob das Abonnement ihrer Lieblingswochenzeitung billiger wird. Nein, wird es nicht. Die Umrechnung, die ja schon in einem knappen halben Jahr wieder hinfällig wird, wäre zu viel Aufwand und Mühe. Für Sie, ­liebe Abonnentinnen und Abonnenten, ändert sich finanziell nichts. Sie zahlen weiterhin den gewohnten Quartalspreis. Die Ersparnis von 29 Cent pro Monat geht an ihre Lieblingswochenzeitung. Dafür bekommen Sie ohnehin nicht einmal ein Bier im Discounter, und es ist ja nicht unsere Schuld, dass die Bundesregierung keine Konsumgutscheine verteilt. Wir investieren das Geld lieber in die Zeitung. Bei Fragen können sie sich aber gerne an unseren Aboservice (jungleworld@carnivora-verlagsservice.de) wenden.

Dafür erwartet Sie im Inlandsressort eine neue Kolumne, die sich mit biopolitischen Fragen und alltäglichen Problemen beschäftigen wird – was könnte besser zu einer Pandemie passen? Ob es Antworten und Lösungen geben wird, entscheidet unsere neue Kolumnistin dann von Fall zu Fall. Die erste Kolumne »Bodycheck – Biopolitik und Alltag« können Sie in dieser Ausgabe auf Seite 9 lesen.