Stadt der Zukunft

Peter Braukmann hat früher Folk gemacht, jetzt schreibt er Bücher. Sein erster Roman sieht auf Anhieb nach Krimi aus, hat aber auch Sci-Fi-Elemente. Es fängt fast glamourös an, in Berlin, wo in nicht allzu ferner Zukunft, die Schönen, Reichen und Oberflächlichen leben. Wer ins Seniorenalter kommt, passt nicht mehr ins Stadtbild und wird auf die idyllischen neuen Inseln vor der Nordseeküste geschickt. In diesem polierten System ist aber auch Platz für Hofnarren und einer davon ist John. Er ist Musiker, spielt in Clubs, die sorgsam auf urwüchsiges Image getrimmt werden, und hält sich für durch und durch unangepasst. Als ihm dann auch noch seine große Liebe begegnet, könnte sein Leben perfekt sein. Ein verliebter Mensch aber ist leicht unter Druck zu setzen, auch das muss John erfahren. Denn irgendwann übertreibt er es mit seiner Außenseiterpose – und erweckt bei denen, die über die schöne neue Welt wachen, den Verdacht, er könnte ihre Machenschaften durchschaut haben. Das löst eine Kettenreaktion aus – nun will John wissen, was er nicht wissen darf. In Berlin findet er die Antwort nicht, in Tating auf der idyllischen Halbinsel Eiderstedt kommt ihm eine Ahnung, und als er auf der mondänen Ferieninsel Sylt ankommt, geht ihm auf, was wirklich Sache ist in den goldenen dreißiger Jahren des 21. Jahrhunderts. Eine spannende Dystopie, weil die hier gezeichnete Welt der Gegenwart schon gar zu sehr ähnelt. Deshalb ist das Buch eben mehr als gute Unterhaltung.

Peter Braukmann: Die Inseln. Edition Narrenflug, Kiel 2014, 245 S., 13,50 Euro

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