Wohin mit all dem Walfleisch?

Literatur von den Färöer konnten wir bisher nur selten in deutscher Übersetzung lesen und wenn, dann über den Übersetzungsumweg: aus dem Färöischen ins Dänische ins Deutsche. Schön, dass sich das endlich ändert. Der Autor Heðin Brú (1901–1987) schrieb den ersten Roman überhaupt in färöischer Sprache und dieses Werk liegt jetzt in neuer Übersetzung vor – erstmals direkt aus dem Färöischen. Zu Beginn des Romans wird die inseltypische Treibjagd auf Wale beschrieben, durch die die Färöer auch heute noch in die Schlagzeilen geraten. Bei der nächsten Fleischauktion ersteigert der alte Fischer Ketil mehr oder weniger aus Versehen zuviel Walfleisch. Der Roman schildert, wie er versucht, zusammen mit seinem nicht übermäßig begabten Sohn das Fleisch schnell zu verhökern, damit er überhaupt den Kaufpreis aufbringen kann. Diese Versuche bringen ihn von einer absurden Situation in die nächste. Dabei kommt er auf den Inseln herum und nimmt seine Leser dabei mit.
Wenn Heðin Brú nicht selbst Romane verfasste, übersetzte er, vor allem Knut Hamsun, und das merkt man dieser Geschichte an. Mit demselben scharfen Blick auf die Schwächen der Menschen und aus der Überzeugung heraus, dass die Armen es sich einfach nicht leisten können, brav und ehrlich zu leben, hat er ein überaus witziges Buch über seine Heimatinseln geschrieben.

Hedin Brú: Vater und Sohn unterwegs. Übersetzung aus dem Färöischen von Richard Kölbl. Guggolz-Verlag, Berlin 2015, 214 Seiten, 16,99 Euro

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