Drei Akkorde, eine Wahrheit

Andreas Niedermann ist ein Schweizer Autor, den das Leben nach Wien verschlagen hat. Doch die Schweiz ist Schauplatz vieler seiner Geschichten, die jetzt unter dem Titel »Country« erschienen sind. Niedermann zeigt eine andere Schweiz als die des Klischees von Uhren, Geld und Schokolade. Erzählt wird von Straßenkämpfen, miesen Jobs, Barackenunterkünften. Hier gedeihen Männerrivalitäten, Verrat und Rache. Immer wieder geht es um die Frage, was ist richtig und was gerecht, und um den Versuch, sich gegen all die Zumutungen zu wehren. Und um Frauen, geliebte und gefürchtete, schöne und anziehende (nicht unbedingt dasselbe), unerreichbare und solche, die im entscheidenden Moment gar zu erreichbar sind. Die Figuren haben es schwer, irgendwie über die Runden zu kommen, mit dem Leben, mit dem Geld, mit der Liebe. So sind die Dialoge: »Du siehst aus, als wärst du betrunken.« – »Bin ich nicht, ich bin verkatert.« In einer kargen Sprache, mit gerade der richtigen Menge von Adjektiven, schildert der Roman Landschaften voller Farben, Gerüche und Geräusche, dazu Menschen, die man nicht unbedingt in seiner Nähe haben möchten, die man aber auch nicht vergessen kann.
»Country, das sind drei Akkorde und die Wahrheit«, ein Ausspruch von Harlan Howard ist als Motto an den Anfang des Buches gesetzt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Andreas Niedermann: Country. Fünfzehn Stories. Songdog-Verlag, Wien 2015, 177 Seiten, 18 Euro

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