Die Hamburger Polizei unter­bindet ein Grillfest mit dem Feuerlöscher

Chillen ohne Grillen

Raucherecke Von

Die Polizei ist auf alle »Gefahrenlagen« vorbereitet: Fünf Mannschaftswagen ­haben sich in Position gebracht; die Beamten, zum Teil mit Feuerlöschern gerüstet, haben die rund 200 Leute fest im Auge, die auf einer Kreuzung in Hamburg-Altona herumsitzen, Bier trinken und picknicken. Der Einsatzbefehl: Sämtliche Grillaktivitäten sind unverzüglich zu unterbinden.

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Normalerweise gehören die beiden Hauptverkehrsstraßen, die sich hier treffen, ganz dem motorisierten Verkehr. Nun aber klafft seit einer Woche ein Loch mitten in der Kreuzung, nachdem Wasser aus einem gebrochenen Rohr die Straße unterspült und umfangreiche Bauarbeiten notwendig gemacht hat. Ärgerlich für Autofahrer, dafür freuen sich Anwohner über die Stille und saubere Luft, und Radfahrer erobern die Max-Brauer-Allee. Die kennen die Straße mit ihren teils maroden, teils nicht vorhandenen Radwegen und ­ihrer gedankenlosen Verkehrsführung sonst nur als Angststrecke und als einen der unzähligen Gründe, aus denen Hamburg im ­aktuellen Fahrradklimatest des ADFC nur auf Platz 31 von 39 Großstädten landete.

Grund genug also, die verkehrsberuhigende Maßnahme zu feiern, dachten sich die Aktionsradler der »Critical Mass Altona« und luden unter dem ironischen Motto »Luftreinheit? Grillen in der Max-Brauer-Allee« zum gemütlichen Abend auf der Kreuzung. Leider aber passen nette Ideen und deutsche Behörden nur selten zusammen und so informierten die Veranstalter am Vormittag: »Eine Verfügung ist um 10.01 Uhr eingegangen, die untersagt, dass Grills angefeuert werden dürfen und dass auf den Grills gegrillt werden darf. Das Anfeuern wäre übrigens erlaubt worden, wenn nicht davon ausgegangen werden müsste, dass auf den angefeuerten Grills gegrillt würde.« Begründet wird das nicht, wie manche sarkastisch mutmaßen, mit der Schadstoffbelastung, sondern damit, dass es in der Menschenmenge zu gefährlich sei.

Die ist allerdings überschaubar und nur mäßig alkoholisiert, so dass es vermutlich riskanter ist, bei normalem Verkehrsfluss die Ampel zu überqueren, an der mindestens ein Autofahrer pro Tag beim Überfahren einer roten Ampel geblitzt wird. Ein paar Optimisten versuchen denn auch, ihre (ökologisch natürlich höchst verwerflichen) Einweggrills in Gang zu bringen, aber der polizeiliche Feuerlöscher stellt die öffentliche Ordnung sofort wieder her. Das Fernsehteam des NDR freut sich über die Bilder, es bleibt beim Chillen ohne Grillen. Und bei der Hoffnung, die Bauarbeiten mögen sich noch ein paar Wochen hinziehen.