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Stur dem Untergang entgegen

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PBDer isländische Schriftsteller Einar Kárason liebt die umfangreiche ­Familiensaga, egal ob sie im Reykjavīk der fünfziger Jahre spielt oder im späten Mittelalter. Die Menschen, so sagt er im Vorwort des neuen Romans »Die Sturlungen«, benehmen sich immer gleich, nur die Kulisse ändert sich. Und natürlich sorgen Gesetze und die soziale Kontrolle dafür, dass im Island der fünfziger Jahre nicht mehr ganz so unbeschwert Blutrache ausgeübt werden kann wie noch 700 Jahre zuvor. Das Zeitalter der Sturlungen – benannt nach dem mächtigsten Wikingerklan – gilt als blutigstes Kapitel in der Geschichte Islands und markiert zugleich das Ende der Ära der Wikinger. Historische Quellen berichten ausführlich über den Bürgerkrieg, den die Sturlungen im Island des 13. Jahrhunderts aus­lösten, vermitteln aber kaum einen Eindruck vom Leben in dieser Zeit. Dies gelingt in Einar Kárasons Saga, in der viele Stimmen zu Wort kommen: die Sturlungen, ihre Widersacher, die Bauern, die die Folgen der Kämpfe zu tragen haben, und die Frauen aus den mächtigen Sippen, die in politischen Fragen nichts zu sagen haben, aber sich wenigstens ihre Liebhaber aussuchen wollen. Es fängt damit an, dass ein Bischof in seinem Herrschaftsgebiet Arme, Aussätzige und Fremde aufnimmt. Für Sturla Sighvatsson, den jungen Erben der Sturlungensippe, ist dies der ­Anlass, eine Menge Kämpfer zusammenzurufen, um die Fremden und Kranken sowie den Bischof zu ver­jagen. Da die mittelalterlichen Wutbürger brutal vorgehen, muss Sturla Buße tun und nach Rom pilgern. Derweil können die Gegner ihre ­Rache planen. So beginnt ein Gemetzel, an dessen Ende Island kein eigenständiges Land mehr ist, sondern zur Kolonie der dänischen Krone herabsinkt. Das alles wird spannend, witzig und voller Spottlust von ­einem großen Autor erzählt.

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Einar Kárason: Die Sturlungen. Aus dem Isländischen von Christoph Magnusson. BTB, München, 827 Seiten, 26 Euro