Small Talk mit Julius Book, DIG Leipzig

»Antisemitismus unterbelichtet«

Small Talk mit Julius Book von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft über die Teilnahme an der »Unteilbar«-Demo.
Interview Von

Diesen Samstag beginnt das Bündnis »Unteilbar« mit einer Demonstration in Leipzig seinen »Sommer der Solidarität«. Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen ruft es auch zu einer bundesweiten Großdemonstration am 24. August in Dresden auf. Wegen der Teilnahme von Organisationen, die Verbindungen zum Islamismus haben oder antisemitische Kampagnen ­unterstützen, war die erste bundesweite Kundgebung von »Unteilbar«, bei der am 13. Oktober 2018 zwischen 100.000 und 240.000 Menschen in Berlin demonstrierten, umstritten. In Leipzig will auch die örtliche Deutsch-Israelische Gesellschaft an der Demonstration teilnehmen. Die Jungle World hat ­darüber mit Julius Book vom Vorstand der DIG Leipzig gesprochen.

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Warum beteiligt sich die DIG Leipzig an der Demonstration am Samstag?
Wir unterstützen den Aufruf von Unteilbar Sachsen (unteilbar.org/aktionen/unteilbar-sachsen) und wollen in Leipzig mitdemonstrieren, weil wir der Auffassung sind, dass die Gefährdung der Demokratie durch die rechtsextreme Mobilisierung, die rechtsextremen Terroranschläge und die rechtsextremen Kräfte in der AfD es erforderlich macht, sich öffentlich dagegen zu positionieren. Für uns ist »Unteilbar« ein Forum dafür. Das Thema Antisemitismus, insbesondere israelbezogener Antisemitismus, scheint uns dort aber unter­belichtet zu sein. Wir denken dabei auch an die Demonstration am 13. Oktober, als antisemitische Kräfte, unter anderem PFLP-­Anhänger und BDS-Aktivisten, anwesend waren. Unsere Idee ist, da­gegen ein Zeichen zu setzen und auf das Problem des israel­bezogenen Antisemitismus und des Antisemitismus generell hinzuweisen.

Organisiert die DIG Leipzig dafür einen eigenen Block auf der Demonstration?
Wir wollen das relativ informell halten. Wir treffen uns um 13.30 Uhr an der Ecke Grunewaldstraße/Windmühlenstraße und werden mit Israel-Fahnen teilnehmen, damit wir sichtbar und ansprechbar sind. So haben wir das bereits bei der Kundgebung gegen die rechtsextremen Aufmärsche am 1. September in Chemnitz gehalten. Dabei sind wir auf überwiegend positive Reaktionen gestoßen. Das hat uns ermutigt, uns auch an »Unteilbar« in Leipzig zu beteiligen. Es erzeugt auch eine hohe Medienaufmerksamkeit – da es offenbar ungewöhnlich ist, auf Demonstrationen gegen rechts mit Israel-Fahnen aufzutreten.

Mit wie vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern rechnen Sie?
Das ist schwer zu sagen. Teilnehmerangaben bei Facebook sind ­bekanntlich unzuverlässig. Wir haben hauptsächlich in der DIG und im eigenen Freundeskreis zur Teilnahme aufgerufen.

Gibt es Kontakt zum Organisationsteam von »Unteilbar«?
Nein. Es wurde ja auch von »Unteilbar« schon im vergangenen Jahr gesagt, dass es sich nicht um einen Dachverband aller teilnehmenden Organisationen handele und dass man relativ lose agiere. Wir nehmen das ernst und sagen: Okay, jeder kann da demonstrieren, und deswegen machen wir das auch.

Befürchten Sie keine – womöglich sogar handgreiflichen – Auseinandersetzungen mit Antisemiten?
Ich halte es für fraglich, ob die, die in Berlin dabei waren, auch nach Leipzig kommen. Und wenn doch, gehe ich davon aus, dass die ­Polizei mit genügend Einsatzkräften anwesend ist. Außerdem glaube ich, dass auch andere Teilnehmer nicht wollen, dass Menschen mit Israel-Fahnen auf der Demonstration angegriffen werden.

Ist es nicht dennoch ein Widerspruch, gemeinsam mit Islamisten gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren?
Es kann natürlich sein, dass das passiert, und dass das zu einer Polarisierung führt. Das ist ja gar nicht schlecht. Es stimmt natürlich, dass der »Sommer der Solidarität« eigentlich nur dann glaubwürdig ist, wenn er solche Bündnispartner ausschließt – deren Beteiligung widerspricht eigentlich den Zielen von »Unteilbar«. Im schlimmsten Fall werden wir als Feigenblatt wahrgenommen. Aber deswegen ­haben wir uns auch noch einmal gesondert geäußert, um klar zu machen, dass wir nicht mit denen solidarisch sind, sondern sie als Teil des Problems betrachten. Die Akzeptanz von Rechtsextremismus und Antisemitismus muss überall bekämpft werden, also auch innerhalb von »Unteilbar«.

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