Imprint - Klasse, Krise, Weltcommune

Klasse, Krise, Weltcommune

Die Analysen der antiautoritären kommunistischen Gruppe Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft sind mehr als reine Bestandsaufnahmen. In der Textsammlung »Klasse, Krise, Welt­commune«, deren Vorwort hier abgedruckt ist, formuliert die Gruppe nicht nur eine Kritik des Bestehenden, sondern auch die Grundlage dessen, was ein praktischer Gegenentwurf zur kapitalistischen Wirtschafts- und Lebensweise sein könnte: die Weltcommune.

Nach der Rezession die große Regression. Fassungslos sehen die letzten Liberalen zu, wie ausgerechnet auf den höchsten Staatsämtern der Welt eine ebenso mysteriöse wie unbändige »Lust an der Zerstörung« (Bakunin) um sich greift und ihre schöne Ordnung in Trümmer zu ­legen droht. Die viel beschworene internationale Gemeinschaft, die nach 1989 eigentlich eine üppige »Friedensdividende« einstreichen sollte, ähnelt zusehends einem Haufen von Gaunern, die sich nach ­undurchschaubaren Kriterien abwechselnd verbünden und an die Gurgel gehen. Weit und breit keine Spur von dem postnational-harmonischen »Empire«, das ein völlig zu Recht vergessener linker Bestseller vor ein paar Jahren lyrisch schilderte.

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Handelskriege gehen mit handfester Aufrüstung einher, Clowns und ­Faschisten bekleiden Regierungsposten, in Osteuropa wird der Notstand ausgerufen, wenn am Grenzposten ein Moslem anklopft. Der Spuk hat solche Ausmaße erreicht, dass selbst hartgesottenen Linken schon mal ein anerkennendes Wort über die deutsche Bundeskanzlerin entfährt, in deren kühl kalkuliertem, aber nicht chauvinistisch delirierendem Nationalismus wenigstens die kümmerliche Restvernunft der bürgerlich-liberalen Welt aufgehoben scheint.

Am Dreischritt Klasse, Krise, Weltcommune drängt sich heute nur der mittlere Begriff auf: Jeder Pinsel sieht, dass die uns bekannte Ordnung aus dem Leim geht. Auch mit einem weniger lausigen Staatspersonal als dem, das zurzeit mit ihrer Verwaltung betraut ist, wäre es um sie nicht gut bestellt. Auch den nächsten Konjunkturabschwung, der fraglos kommt und die bereits restlos erschöpfte Feuerwehr der Notenbanker und unfreiwilligen Keynesianer kalt erwischen wird, braucht es nicht, um ihre Unhaltbarkeit zu erkennen. Der letzte hat fürs Erste gereicht, und er hat eine Weltgesellschaft getroffen, in der es ohnehin schon gärte.

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