»5 Years Behind« von Thick

Heiter, nicht wolkig

Platte Buch Von

Thick hängen fünf Jahre hinterher und ihre Herzen sind so schwer wie ihre Körper. So zumindest verkünden sie es im Opener des auch nach diesem Lied benannten Albums »5 Years Behind«. Im Online-Musikmagazin Stereogum wurde die Musik der Band als aggressive Umarmung bezeichnet. Ob das zutrifft, sei mal dahingestellt, in jedem Fall ist sicher: Die nur aus Frauen bestehende Band Thick aus Brooklyn vertritt den Do-it-yourself-Ethos. Schalkhaft und verdrossen zugleich, im Stile ­eines Schlachtrufs oder als zuckersüßes Säuseln geht es in den sprachrhythmischen Texten darum, dem alltäglichen Wahnsinn standzuhalten. Dabei helfen die von Nikki Sisti, Kate Black und Shari Page gespielten eingängigen Melodien. Im Vergleich zu den beiden EPs »Would You Rather« und »Thick« ist der Sound ihres Debütalbums poppiger und bescheidener. Eine gewisse Wesensverwandtschaft zur Band Tacocat aus Seattle ist nicht zu leugnen, ähnlich wie ihnen gelingt auch Thick, die feministisch geprägte Auseinan­dersetzung mit dem Irrsinn mit reiner Freude am Musikmachen zu verbinden.

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Das liegt vor allem an den betörenden Akkorden und leichtherzigen Drums. Die Texte dazu machen deutlich: Es gibt nicht immer viel zu lachen, deswegen muss man aber nicht danach klingen. Es geht um Lieblingsclubs, die geschlossen werden, um Eltern, die sehnsüchtig aufs Enkelkind warten, und um Freunde, die sich auseinanderentwickeln. Themen, die immer mit beißendem Sarkasmus behandelt werden.

Bands mit reiner Frauenbesetzung werden vor allem im Punk-Genre häufig als Amateurinnen wahrgenommen. Viele Männer fühlen sich offenbar von der Musik von Thick gestört, wie ein Blick in die Kommentarspalte unter ihrem Video zum Song »Mansplain« beweist. Die kurz-knackigen Titel (»Fake News« ist nur 49 Sekunden lang) brauchen aber keinen langen Atem, um den Jungs zu zeigen, dass man das Genre nicht neu erfinden muss, um es immens zu beleben und in eine neue Richtung zu stupsen.

Thick: 5 Years Behind ­(Epitaph Records)