Der Sanierungsfall KSK

Kommando Kunst

Die preisgekrönte Reportage Von

Oberstleutnant Heinz Gruber nickt grimmig seinem uniformierten Untergebenen zu. Der tippt ein paar Kommandos in sein Notebook – und landet sofort beim Profil von Johannes Scherle, freischaffender Illustrator aus Berlin. »Machen Sie sich klickbereit … uuuuuuund … Feuer!« Ein Klick – und schon sind 562,62 Euro bei Scherle abgebucht. »Davon wird der sich nicht so schnell erholen«, sagt Gruber und wendet sich sofort dem nächsten »Künstlerschwein« zu, wie er sich auszudrücken beliebt.

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Viele zuckten in den vergangenen Tagen zusammen, wenn sie »KSK« hörten. Und es stimmt: Die Künstlersozialkasse ist in Verruf geraten. Bizarre Abrechnungsmodelle, fragwürdige Kontrollen – und letztlich viel zu hohe Hürden für den Eintritt in die Renten- und Krankenkasse für freischaffende Künstler. »Da war es gut, dass es mit dem Kommando Spezialkräfte eine ebenfalls stark in Verruf geratene Einrichtung gab – und sogar mit derselben Abkürzung.« Vor zwei Wochen hat Annegret Kramp-Karrenbauer, statt Teile des Kommandos wegen rechtsextremer Umtriebe aufzulösen, per Ministerialdekret Künstlersozialkasse und Spezialkräfte zusammengelegt, mit dem Auftrag, gemeinsam an einem neuen Image zu arbeiten.

Mit Erfolg? Oberstleutnant Gruber ist jedenfalls zufrieden. »Zum Beispiel beim Forderungsmanagement. Sie glauben gar nicht, wie schnell so ein Beitragsschuldner überweist, wenn eine Einheit bewaffneter Soldaten um vier Uhr morgens auf seinem Küchentisch steht!« Und wie ist es mit Auslandseinsätzen? »Auch da ergeben sich ganz neue Möglichkeiten! Viele Terroristen sind erst mal überrascht, wenn wir statt Scharfschützen einen Meldebogen für Honorare aus freischaffender Tätigkeit schicken. Aber die Vorzüge des deutschen Gesundheitssystems geben bei manchen dann den Ausschlag. Die Leute können ihren unglaublichen Hass in Kunst ausdrücken und nicht über Terror, das ist doch toll!«

Gruber schätzt, dass in Deutschland mindestens noch 10 000 bis 20 000 Künstler existieren, die noch nicht in die KSK einzahlen. »Aber die Anforderungen sind eher noch strenger geworden. Viele Musiker und Maler scheitern zum Beispiel an den Prüfungen in Gebirgskampf und Fallschirmspringen.« Nützlicher Nebeneffekt: Wer nicht Mitglied ist, kann auch seinen Rechtsextremismus nicht in die KSK tragen.

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.